Stecker raus bei Standard & Poor?s Risk Solutions

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07. Mai 2008
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Frank Romeike

Standard & Poor?s zieht die Notbremse und schließt die Frankfurter Einheit von S&P Risk Solutions komplett. Lutz Schiermeyer und Matthias Reusch (Foto), die beiden Direktoren von Standard & Poor's Risk Solutions, haben das Unternehmen noch im April verlassen.

 

Unter der Überschrift ?Zu spät, zu nachlässig, zu zaghaft? stehen die großen Ratingagenturen seit Monaten in der Kritik. EU-Kommission und Politiker sehen eine große Verantwortung für die aktuelle Finanzkrise bei den drei großen Ratingagenturen. US-amerikanische Banken gaben massenhaft Kredite an Menschen, die sie sich eigentlich nicht leisten konnten, und verkauften die Kredite weiter an Investoren, die diese in ihre Fondsportfolios aufnahmen. Das Risiko lag damit nicht mehr bei den Kreditgebern, sondern am Kapitalmarkt. Die Ratingagenturen bewerteten die entsprechenden Portfolien zu lange zu gut. Sie stuften sie erst dann innerhalb weniger Tage drastisch zurück, als längst klar war, dass viele Kredite nicht zurückgezahlt werden würden.

 

S&P Risk Solutions bietet risikobezogene Dienstleistungen und Produkte für Banken, Unternehmen oder andere Marktteilnehmer an und ist ? nach eigenen Aussagen ? durch ?Fire Walls? von der Ratingagentur Standard & Poor's getrennt. Marktteilnehmer hatten sich in den vergangenen Jahren immer wieder kritisch zu diesem Dienstleistungsangebot geäußert und vor allem auf die erforderliche Unabhängigkeit (?Wes Brot ich ess, des Lied ich sing?) von Ratingagenturen hingewiesen. Alle Ratingagenturen haben immer wieder klargestellt, dass weder vertrauliche Informationen von gerateten Kunden der Ratingagentur an die Beratungseinheit fließen noch umgekehrt.