Risikovorsorge gegen Rogue Trading

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21. Mai 2008
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Von Stefan Hirschmann

Als Reaktion auf den zunehmenden Reglementierungsdruck und auf Rogue-Trading-Vorfälle zu Beginn des Jahres 2008 überprüfen große Unternehmen überall auf der Welt ihre Systeme und Risiko-Management-Prozesse. Unter dem Begriff "Rogue Trading" versteht man betrügerisches Handeln im Finanzwesen, ähnlich den Vorfällen bei der Société Générale.

KÖLN, 21.5.2008. Als Reaktion auf den zunehmenden Reglementierungsdruck und auf Rogue-Trading-Vorfälle zu Beginn des Jahres 2008 überprüfen große Unternehmen überall auf der Welt ihre Systeme und Risiko-Management-Prozesse. Unter dem Begriff "Rogue Trading" versteht man betrügerisches Handeln im Finanzwesen, ähnlich den Vorfällen bei der Société Générale, wo der 32-jährige Händler Jérome Kerviel die Bank um annähernd fünf Milliarden Euro geschädigt hat. Kerviel drohen nun bis zu sieben Jahre Haft sowie eine Geldstrafe in Höhe von 750.000 Euro. Er saß bereits fünf Wochen lang in Untersuchungshaft und hat zur Auflage bekommen, keine Handelsräume mehr zu betreten und bestimmte Kreise zu meiden. Bei der Überwachung von Handels-Transaktionen und beim Aufspüren von Mitarbeiter-Betrug setzen Banken zunehmend hochkomplexe IT-Systeme ein, um die Risiken bei unautorisiertem Handel frühzeitig zu identifizieren. Die Art von Software analysiert Daten aus verschiedenen Systemen: Risk Management, Human Resources, Compliance, Handel, Audit, Controlling, IT-Sicherheit und anderen. Verdächtige Strukturen oder Schlüsselindikatoren werden automatisch erkannt. Das System von Actimize, einem weltweit aktiven Hersteller von Transactional Risk Management Software, integriert dabei Informationen aus dem gesamten Unternehmen in einer intuitiven Recherche- und Fall-Management-Umgebung. Diese setzt das Informations-Mosaik zusammen und berechnet das Risiko, das ein Händler oder eine Gruppe von Händlern für die Firma darstellt. "In den letzten fünf Jahren haben wir eine Vielzahl von Systemen zum Schutz vor Mitarbeiter-Betrug und zur Überwachung des Handels in großen globalen Unternehmen eingeführt", berichtet David Sosna, CEO bei Actimize. Vor allem nach den letzten Rogue-Trading-Vorfällen seien viele Finanzdienstleister an das Unternehmen herangetreten. Das Bewusstsein für Compliance-Risiken und deren frühzeitige Erkennung dürfte ohnehin in jüngerer Zeit merkbar gestiegen sein.

Eine aktuelle Markterhebung zeigt, dass die Investmentbanken auf Grund der jüngst bekannt gewordenen Vorfälle neue Pläne und Prozesse implementieren, um sich gegen unautorisierten Handel abzusichern. So gaben 85 Prozent der Befragten an, dass sie ihr internes Risikomanagement modifizieren wollen, drei von vier Befragten werden ihre Strategie verändern, und 60 Prozent haben bereits Task Forces gegen das sogenannte Rogue Trading eingerichtet. Auch wenn drei Viertel der Befragten von mindestens einem großen Vorfall mit einem Schaden von über 100 Millionen Dollar innerhalb der nächsten 12 Monate ausgehen, so ist Rogue Trading nicht auf derart große Summen beschränkt. Die Hälfte der Befragten vermutet, dass in ihren Unternehmen jedes Jahr unautorisierte Handelsaktivitäten mit Volumen von Tausenden oder gar Millionen von Dollar unentdeckt bleiben. 24 Prozent hatten während der letzten 12 Monate einen solchen Fall von Handelsbetrug, und 44 Prozent mussten sich mit anderen Arten von Mitarbeiterbetrug beschäftigen. Um eine Einschätzung gebeten, warum ein Händler wie Kerviel nicht früher aufgeflogen ist, nannten die Befragten vor allem die unzusammenhängenden Informationssysteme mit jeweils eigenen "Datensilos". Die meisten Institute haben in der Vergangenheit bei der Überwachung und Aufklärung auf der Ebene der Gruppe oder des Geschäftszweigs gearbeitet. 74 Prozent der Befragten gaben an, keine Tools zu besitzen, mit denen sie den Handel unternehmensweit über alle Umgebungen hinweg kontrollieren und überwachen können. Nur etwa jeder Dritte nutzt eine einheitliche Plattform für das Fallmanagement und ausgefeilte Analysetools, um Mitarbeiterbetrug innerhalb der Organisation aufzudecken und zu bekämpfen.