Der hartnäckige Ruf nach einer europäischen Ratingagentur

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13. Mai 2008
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Von Stefan Hirschmann

Hartnäckig hält sich der (meist politisch motivierte) Ruf nach einer nationalen oder zumindest europäischen Ratingagentur. Doch wer braucht diese Institution, die es eigentlich schon gibt? Auf lange Sicht besteht nach Aussage von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück auch Bedarf für eine europäische Ratingagentur. "Ich glaube, es wird eines Tages eine europäische Ratingagentur geben", sagte Steinbrück in Berlin.

KÖLN, 8.5.2008. Hartnäckig hält sich der (meist politisch motivierte) Ruf nach einer nationalen oder zumindest europäischen Ratingagentur. Auf lange Sicht besteht nach Aussage von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück auch Bedarf für eine europäische Ratingagentur. "Ich glaube, es wird eines Tages eine europäische Ratingagentur geben", sagte Steinbrück in Berlin. Allerdings könne er dies "auf der Zeitachse" nicht benennen. "Kurzfristig jedenfalls nicht", betonte der Finanzminister auf eine entsprechende Frage bei den "Berliner Wirtschaftsgesprächen". Die Existenz einer solchen Institution sei im Jahr 2015 oder den folgenden möglich, da es einen "zunehmenden Bedarf" daran geben werde. Steinbrück erneuerte auch seine Kritik an der Dominanz der US-Ratingagenturen, die in der jüngsten Finanzmarktkrise gleichzeitig Ratings ausgesprochen und eigene Interessen vertreten hätten. Marktteilnehmer sehen dieses Unterfangen in der Regel jedoch eher kritisch, zumal es mit Fitch Ratings bereits eine international etablierte Ratingagentur gibt, die dem französischen Mischkonzern Fimalac SA gehört.

Fitch Ratings ist französisch
Nach der US-Subprimekrise und der damit verbundenen Kritik an der Rolle der Ratingagenturen hat Bundesbankpräsident Axel Weber vor regulierungspolitischen Schnellschüssen gewarnt. Es sei sicher noch verfrüht, um abschließend Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen, aber sicher richtig, dass auf internationaler und europäischer Ebene zunächst umfangreiche Prüfaufträge verteilt wurden, insbesondere auch zur Verbesserung der Transparenz der Ratingurteile, so Weber. Manche dieser Initiativen - so die Erhöhung des Detail- und Standardisierungsgrads der Ratingberichte - würden sich relativ leicht umsetzen lassen, erklärte der Bundesbankpräsident. Konzeptionell anspruchsvoller werde es dagegen bei der Frage, ob eine eigene Ratingskala für strukturierte Finanzprodukte eingeführt und Liquiditäts- und Marktrisiken in das Ratingurteil dieser Produkte einbezogen werden sollten, so Weber mit Blick auf die Probleme strukturierter US-Hypothekenpapiere. Grundsätzlich verwies der Bundesbankpräsident darauf, dass Ratingurteile die eigene Risikoeinschätzung der Investoren nur ergänzen könnten. "Ein Ersatz für eine breit angelegte Risikobeurteilung können sie nicht sein", sagte er.

Selbstregulierung der Agenturen funktioniert
Auch Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy sieht sich in seiner Auffassung bestätigt, dass es derzeit keine Notwendigkeit gibt, den Markt für Ratingagenturen zu regulieren. Nach einem Bericht des Ausschusses der Europäischen Wertpapierregulierer (CESR) halten die großen Agenturen den Verhaltenskodex der International Organisation of Securities Commissions (IOSCO) generell ein. Es habe sich gezeigt, dass "die Selbstregulierung der Agenturen recht gut funktioniert", sagte McCreevy. Neue Rechtsvorgaben seien nach wie vor nicht erforderlich, fügte er hinzu. Die Kommission werde sich aber um eine Überarbeitung des Kodexes bemühen, da noch einige Schwachstellen aufgedeckt worden seien.