Commerzbank trotzt der Kreditkrise

ERM
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13. Mai 2008
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Von Madeleine Winkler

Die Commerzbank hat wegen der anhaltenden Finanzkrise ihre Prognose für 2008 zurückgenommen. Insgesamt macht die Subprime-Krise der Bank aber weniger zu schaffen als befürchtet. Das Ergebnis nach Steuern im ersten Quartal hat sich wegen der Subprime-Krise und Sonderbelastungen wie erwartet mehr als halbiert. Der Konzernüberschuss sank auf 280 (609) Mio EUR. Analysten hatten mit einem Rückgang in dieser Größenordnung gerechnet.

FRANKFURT, 7.5.2008. Die Commerzbank hat wegen der anhaltenden Finanzkrise ihre Prognose für 2008 zurückgenommen. Es dürfte aus heutiger Sicht sehr schwer werden, das gute Ergebnis des Vorjahres wieder zu erreichen, sagte Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller. Bislang hatte er sich noch sehr zuversichtlich gezeigt, das Ergebnis vom Vorjahr zu erreichen oder gar zu übertreffen. Die Folgen der Finanzkrise bekam die Commerzbank im ersten Quartal deutlich zu spüren: Der Gewinn schrumpfte auf mehr als die Hälfte. Zudem musste die im DAX notierte Bank weitere Wertkorrekturen im Zusammenhang mit der internationalen Finanzkrise in Höhe von insgesamt 244 Mio Euro - davon 179 Mio. Euro im Finanzanlagenergebnis und 65 Mio. Euro im Handelsergebnis - verbuchen. Hoffnung gibt aber der Start in das zweite Quartal. Der April habe gezeigt, dass sich die Lage an den Kapitalmärkten normalisieren könnte, sagte Finanzvorstand Eric Strutz. Im März habe es zwar Verwerfungen gegeben, "eine Systemkrise sehen wir aber nicht." Dennoch will sich die Commerzbank weiter nicht für die Zukunft festlegen. Wann die zweitgrößte deutsche Bank eine konkrete Prognose veröffentlichen wird, wollte Strutz noch nicht beantworten. Dafür gebe es noch zu viele Fragezeichen über die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten. Weitere RMBS-Abschreibungen schloss er wegen dieser Unsicherheit nicht aus.

Besser als die Erwartungen
Insgesamt machte die Subprime-Krise der Commerzbank im ersten Quartal etwas weniger zu schaffen als von Analysten befürchtet. Vor allem das Handelsergebnis lag zwar mit 173 (301) Mio. EUR deutlich unter dem Vorjahresniveau, aber von Dow Jones befragte Analysten hatten mit einem noch stärkeren Rückgang auf 93 Mio. EUR gerechnet. Das Ergebnis nach Steuern im ersten Quartal hat sich wegen der Subprime-Krise und Sonderbelastungen wie erwartet mehr als halbiert. Der Konzernüberschuss sank auf 280 (609) Mio EUR. Analysten hatten mit einem Rückgang in dieser Größenordnung gerechnet. Die Eigenkapitalrendite der Bank soll mittelfristig mehr als 15 % betragen. Auch künftig werde die Bank konsequent an ihrem profitablen Wachstumskurs festhalten, kündigte Vorstandssprecher Müller an. "Die Commerzbank ist mit einem starken, kundenbasierten Geschäftsmodell sowie dem robusten Kern ihres heimischen Geschäfts gut positioniert. In diesen starken Geschäftsfeldern wollen wir weiter wachsen und unsere Position ausbauen."

Kreditrisikomanagement im Griff
In Bereichen wie Corporates & Markets, in Teilen des Immobiliengeschäfts, aber vor allem aber in Public Finance und Treasury will die Commerzbank das Risiko weiter reduzieren. Wie das interne Credit Risk Management der Commerzbank aussieht, zeigte vorvergangene Woche bereits Dirk Wilhelm Schuh, Chief Credit Officer der Commerzbank, im Rahmen der Branchentagung SAS RISK 08. Als wesentliche Ursachen und Treiber der Subprime-Krise identifizierte er u.a. das blinde Vertrauen auf externe Ratingeinschätzungen, Klumpenrisiken durch mangelndes Portfoliomanagement, ein unzureichendes Liquiditätsmanagement, Intransparenz, ein weit verbreitetes Misstrauen der Marktteilnehmer untereinander sowie eine Abwärtsspirale von Marktpreisen. Das externe Rating entbinde nicht von eigener Portfolioanalyse. Das Risikomanagement sei dafür da, Marktentwicklungen eng zu überwachen, damit Klumpen- bzw. Konzentrationsrisiken vermieden werden könnten. Risk Manager sollten sich nicht allein auf Aussagen der Marktbereiche oder externe Quellen verlassen und dafür Sorge tragen, dass analytisches Methoden- und Expertenwissen innerhalb des Risikomanagements systematisch miteinander verknüpft sind, so Schuh.